Bibliotheken der Dinge in der Smart City

Bei der „Smart City“ handelt es sich um ein noch junges, internationales Leitbild der Stadtentwicklung. Zunächst einmal geht es darum, die Digitale Revolution in die Stadt zu bringen. Schon die Industrielle Revolution veränderte Städte grundlegend und das gleiche steht Städten nun abermals bevor. Was aber ist das Ziel dieser Transformation? Hier herrscht Einigkeit: Die Vereinten Nationen, das Deutsche Institut für Urbanistik, der VDE und Smart City-Forscher meinen, dass eine Smart City die Lebensqualität der Bürger steigern soll. Wie das? Hier gibt es unterschiedliche Auffassungen (Chang 2018, UN 2015, Difu 2014, VDE 2014).

In Ostasien wird mehr Sicherheit als ein wesentliches Element für eine bessere Lebensqualität verstanden – und mehr Sicherheit soll durch mehr Überwachung realisiert werden. Kameras, deren enorme Datenmengen durch Künstliche Intelligenz ausgewertet werden, sind gegenwärtig vor allem in Städten Chinas im Einsatz. Mehr Überwachung, weniger Verbrechen (und Opposition), mehr Sicherheit und Wohlbefinden, so die Idee. Im Westen steht dagegen die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz im Vordergrund. Smart Cities sollen nach dieser Lesart primär dazu beitragen, dass z.B. die Lärm- und Emissionsbelastungen des Straßenverkehrs abnehmen, dass der Verbrauch von Wasser und Energie effizienter und der Verbrauch endlicher Ressourcen geringer wird.

In dieser Hinsicht sind Bibliotheken der Dinge ein elementarer Bestandteil einer Smart City, da sie die Energie- und Ressourceneffizienz erhöhen. Ohne auf etwas verzichten zu müssen, können mehr Menschen einen Pool von Dingen nutzen. Dadurch können insgesamt weniger Dinge produziert werden, was bedeutet, dass weniger Rohstoffe und Energie benötigt werden. Folge: Die Umwelt wird weniger belastet und weniger Umweltbelastungen fördern letztlich auch die Lebensqualität. Umgekehrt nimmt mit zunehmenden Umweltbelastungen die Sorge vor der Zukunft zu. Überwachungskameras können folglich nicht allein für mehr Sicherheit und Wohlbefinden sorgen!

Worauf beim Leihen verzichtet wird, ist das exklusive Nutzungsrecht, also das Recht, über ein Ding beliebig verfügen und andere von dessen Nutzung ausschließen zu dürfen. Das macht bei Dingen Sinn, die regelmäßig im privaten Einsatz oder mit vielen guten Erinnerungen behaftet sind. Ist das nicht der Fall, ist ihr Besitz ineffizient. Zwar kann der Besitz von Dingen Spaß machen, aber dieser Spaß verbraucht sich oft relativ schnell und dann wird der Gegenstand zunehmend Ballast. Letztlich verenden sie im Keller oder Müll.

Mit Bibliotheken der Dinge können indes viele Gebrauchsgegenstände, die nur gelegentlich im Einsatz sind, smarter genutzt werden, weil sie zu Hause tage-, wochen-, monate- oder gar jahrelang reglos in Kellern, Kammern, Schränken oder Dachböden lagern. Leiht man sie, anstatt sie zu besitzen, muss man sie nicht kaufen, nicht lagern und nicht entsorgen.

Und nicht zuletzt sind Bibliotheken der Dinge auch deswegen ein Element einer Smart City, weil sie digitale Technologie einsetzen müssen, um effektiv sein zu können.

Literatur

Chang, D.L. et al. (2018). Knowledge-based, smart and sustainable cities. in: Journal of Open Innovation, 5, doi.org/10.1186/s40852-018-0087-2

Difu (2014). Standpunkt Smart City. auf: difu.de

UN (2015). The Government Summit: Smart Cities, S. 14 f., auf: worldgovernmentsummit.org

VDE (2014). DKE/DIN Roadmap: Die deutsche Normungs-Roadmap Smart City. Version 1.0, auf: dke.de