Bibliotheken der Dinge überall

Seit 2014 beschäftigen wir uns mit der Idee einer „Bibliothek der Dinge“. Und wir erinnern uns noch gut daran: Als wir den Begriff damals googelten, erhielten wir: Null Treffer. Nach längerem recherchieren stießen wir auf den „Leihladen Berlin“ bzw. Leila. Es war die erste Einrichtung, in der Bürger und Bürgerinnen Gebrauchsgegenstände spenden konnten, und sich aus dem Pool der gespendeten Dinge leihen konnten, was sie brauchten. Natürlich sind wir hingefahren, um uns den Laden anzusehen. Nun, er war eng, voller Dinge und hatte seinen eigenen Graswurzel-Charme. Aber es war ein Anfang.

Googelt man den Begriff „Bibliothek der Dinge“ im Jahr 2021, erhält man 120.000 Treffer! Und man stößt auf einen neuen Trend: Stadtbüchereien haben in den letzten zwei Jahren begonnen ihr Sortiment zu erweitern: Nebst Büchern stellen sie vermehrt Dinge aus den verschiedensten Gebrauchskategorien zum Verleih bereit. Das ist klug, denn (1.) werden Bücher als materielle Objekte nach und nach durch immaterielle eBooks ersetzt, sodass es etwas Neues braucht, um die ehrwürdigen Hallen zu füllen. (2.) werden Stadtbüchereien, wenn sie Dinge verleihen, für neue User interessant und (3.) verfügen sie bereits über die Verleih-Infrastruktur, inklusive Räumlichkeiten in zentraler Lage. (4.) tun sie etwas Sinnvolles für ihre Stadt und Umwelt.

https://www.fnp.de/frankfurt/zeusch-fuer-eusch-oder-bohrer-statt-buch-ausleihen-90317241.html

Stadtbüchereien, die eine Bibliothek der Dinge beherbergen, findet man mittlerweile in Frankfurt, Würzburg, Hannover, Berlin und Köln, aber auch in Sachsenhausen, Geislingen, Wermelskirchen und Castrop-Rauxel. Nach rund 3.000 Jahren Bibliotheksgeschichte, in der nur Pergamentrollen, Handschriften, Bücher, viel später dann Hörspiele, Filme und vereinzelt auch Spiele verliehen wurden, ist das eine echte Revolution. Und dann sind da noch die tapferen wie idealistischen Bibliotheken der Dinge, die unabhängig von einer Stadtbücherei operieren z.B. in Darmstadt, Karlsruhe, Leipzig und anderswo und in anderen Ländern außerdem.

In manchen von ihnen kann man sich ca. 40 Gegenstände ausleihen, in anderen 200 oder 300 und in wenigen, wie der unsrigen, an die tausend (protz!). Bochum ist sowieso ein Spezialfall, da es hier gleich zwei Bibliotheken der Dinge gibt – den Leihladen Bochum und – seit 2020 – unsere bib der dinge bochum. Die Bib kooperiert dabei mit der Stadtbücherei Bochum, was zumindest bislang auch eine Besonderheit ist. Und dann sind wir die bislang einzige, die sooo cool bloggen.

Aber was sagt uns das alles? Wie es scheint, beginnt die Idee einer Bibliothek der Dinge in die Mitte der Gesellschaft vorzustoßen und eine neue Normalität zu werden. Dabei wird es gewiss Rückschläge geben: Manche Bibliotheken der Dinge werden wieder aufgegeben, neue werden aber auch hinzukommen und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man sich rückblickend fragt: „Warum gab es so etwas eigentlich nicht schon früher?“ „Wie unpraktisch es doch damals war!“ Ist dieser Punkt erreicht, ist die Bewegung abgeschlossen, da ein Rückfall in die alte Zeit undenkbar geworden ist. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und bis dahin müssen die Bibliotheken der Dinge vor allem: Dinge sammeln, um attraktiver wie praktischer werden und um ihre soziale und umweltfreundliche Wirkung voll entfalten zu können.

Auf dem Grabstein des Soziologen Herbert Marcuse (1898-1979) steht die Botschaft „Weitermachen!“. Machen die Bibliotheken der Dinge so weiter, werden sie das gesellschaftliche Zusammenleben verbessern. Dieses Ziel hatte auch Marcuse.

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